Wolle – Kleine Materialkunde für wollbegeisterte Tussis

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Im letzten Artikel über Kleidung aus Wolle, finden sich bereits viele Vorteile von Wolle als Bekleidungsmaterial. Der wichtigste Aspekt beim Kauf von Wollkleidung ist, dass es sich um reine Wolle handelt. Recycelte oder minderwertige Wolle und Mischgewebe erfüllen die Standards nämlich nicht, die die Vorteile dieses Naturmaterials ausmachen. Weder die thermischen Merkmale noch die Selbstreinigungsfähigkeit sind in Pullovern und Shirts aus Wolle wiederzufinden, wenn es sich nicht um 100% Wollgewebe handelt. Aber was ist eigentlich reine Wolle?

Reine Wolle muss nicht vom Schaf stammen

Für viele bedeutet „reine Wolle“ Schafswolle. Das ist so verkehrt zunächst auch nicht. Denn tatsächlich ist das Schaf der bekannteste und populärste Lieferant für Wolle. Zumindest in europäischen Breitengraden. Daneben gibt es aber auch Wolle von der Ziege, vom Kaninchen und vom südamerikanischen Alpaka. Alle Wollarten haben die natürlichen Eigenschaften, die ihren Trägerinnen zum Vorteil gereichen. Sie haben eine hohe Elastizität, besonders in nassem Zustand. Sie müssen selten feucht oder nass gereinigt werden. Meist ist Lüften völlig ausreichend. Und sie halten im Winter warm und im Sommer kühlen sie. Die Herkunft und Wollart sagt auch nicht unbedingt etwas über die Qualität der Wolle aus. Es gibt sehr hochwertige Schurwolle vom Schaf und es gibt sehr minderwertige Wolle von der Ziege. Ebenso umgekehrt.

Worauf man beim Kauf von Wollkleidung achten sollte

Der wichtigste Hinweis, auf den man beim Kauf von Wollkleidung achten sollte, ist der, dass es sich um 100% Wollgewebe handelt. Mischgewebe und Wollanteile bieten nicht die gleichen Vorteile wie 100% Wolle.

Welche Wollart ist die beste?

Für welche Wollart man sich beim Kauf entscheidet, ist vor allen Dingen eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Verträglichkeit. Unter ethischen Aspekten sollte man vor allem auf den Kauf von Kleidung aus Angorawolle verzichten. Denn die Tiere bezahlen für den Bedarf an ihrer Wolle einen sehr hohen Preis. Die Haltungsbedingungen sind nicht selten miserabel und für die Wollgewinnung lassen die Kaninchen häufig gar ihr Leben.

Die Begründung dafür ist denkbar einfach: Angorawolle stammt vom Angorakaninchen. Natürlich könnte das Tier auch geschoren werden, so wie man es mit Alpakas und Schafen auch tut. Allerdings wirft ein Kaninchen wesentlich weniger Wolle ab, als das zehnmal größere Schaf. Für die Betreiber von Angorafarmen ist es daher wirtschaftlicher, den Tieren das Fell abzuziehen und es weiterzuverarbeiten, statt darauf zu warten, dass die Wolle nach dem Scheren nachgewachsen ist.

Wer die Herkunft und Haltungsbedingungen der Angorakaninchen kennt und nicht auf die billigste Bekleidung setzt, kann aber dennoch von den Vorteilen dieser Wollsorte profitieren.

Die Vorteile von Angorawolle

Wie auch Schafswolle ist Angora ein temperaturausgleichendes Naturmaterial, das schweißabsorbierend ist. Hinzu kommt, dass Angorawolle weicher ist als Schafs- oder Ziegenwolle. Die Faserstruktur ist feiner und ebenmäßiger, als bei anderen Wollarten. Durch ihre einheitlichere und dichtere Struktur hält Angorawolle auch besonders gut warm. Das macht sie einerseits für Tussis ideal, die schnell frieren, andererseits aber auch etwa für Menschen mit Rheuma.

Die Vorteile von Schafswolle

Bei Schafswolle ist bereits ein Vorteil überdeutlich: Die Tiere müssen nicht ihr Leben lassen, wenn man an ihre Wolle kommen möchte. Außerdem vereinigen sich in Schafswolle alle Vorteile, die diese Naturfaser zu bieten hat: Sie ist temperaturausgleichend, sprich: kühlt oder wärmt, je nach Bedarf, sie ist selbstreinigend und geruchsabsorbierend, sodass sie nur selten wirklich gewaschen werden muss, sie nimmt zu einem gewissen Teil Feuchtigkeit auf, sodass sie Schweiß absorbiert und bei leichtem Regen sogar wasserabweisend ist. Schafswolle kann von unterschiedlichen Schafarten kommen und damit in ihrer Struktur und Materialstruktur variieren.
Wolle - Kleine Materialkunde

Diese Schafswollen gibt es

Vom Hausschaf stammt etwa die sogenannte Schurwolle. Schur bezieht sich dabei auf die Wollgewinnung, für die man die Tiere schert. Je nachdem, wie hoch der Fettanteil in der Wollfaser ist, desto wasserabweisender ist die Wollkleidung. Der Fettanteil variiert sowohl je nach Schafart, als auch nach Gesundheitszustand der Tiere. Wer empfindliche Haut hat, Allergiker oder Neurodermitispatient ist, sollte bei Schurwolle allerdings vorsichtig sein. Am besten vor dem Kauf einen Test machen, ob die Kleidung auf der Haut kratzt.

Bei Merinowolle handelt es sich ebenfalls um Schafswolle. Diese wird vom Merinoschaf gewonnen und zeichnet sich dadurch aus, dass sie besonders elastisch ist. Die Merinofasern sind leichter als Schurwolle und weicher. Darum ist Merinowolle auch bei sensibler Haut gut verträglich. Der Vorteil: Merino kann bei Bedarf auch in der Waschmaschine gewaschen werden. Der Nachteil: Im Sommer reguliert sie die Körpertemperatur schlechter als Schafswolle und ist daher für den Winter besser geeignet.

Die Vorteile von Ziegenwolle

Ziegenwolle weißt die gleichen Vorteile auf wie Schafswolle. Allerdings ist sie grundsätzlich etwas pflegeleichter und kann bei niedrigen Temperaturen ohne Konsequenzen in der Waschmaschine gereinigt werden. Aufgrund der geruchsneutralisierenden Eigenschaften ist dies aber ebenso wie bei Schurwolle nur selten nötig. In Sachen Temperaturregulierung allerdings schlägt Ziegenwolle Schafswolle um Längen. Ein Pullover aus Ziegenwolle hält bis zu sechs Mal wärmer, als ein Gegenstück aus Schafswolle.

Diese Ziegenwollarten gibt es

Die bekannteste Wollsorte von Ziegen ist wohl die Kaschmirwolle. Sie wird aus dem feinen und dichten Unterfell der Kaschmirziegen gewonnen. Je nachdem, wie kalt der Winter war, produziert eine Ziege mehr oder weniger von ihrem wärmenden Unterfell. Die Abhängigkeit von der Witterung ist es auch, die Kaschmir so wertvoll macht. Das erklärt auch den hohen Preis, der für ein Kleidungsstück aus Kaschmir verlangt wird. Die Haltung von Kaschmirziegen in milderen Breitengraden lohnt sich zur Gewinnung von Wolle nicht. Die Vorteile von Kaschmir sind neben der Pflegeleichtigkeit auch die Leichtigkeit der Fasern, die Wärmeregulierung und die Weichheit der Fasern.

Auch Mohair ist eine Wollsorte, die von der Ziege gewonnen wird. Weil sie von den Angoraziegen stammt, liegt eine Verwechslung mit Angorawolle nahe. Letztere ist aber, wie oben erwähnt, Kaninchenfell. Mohair hat mit den grausigen Umständen der Angoragewinnung nichts zu tun. Wer es gern besonders weich und kuschlig mag, sollte sich Kleidung aus Mohair zulegen, die von den Angorazicklein gewonnen wird. Die Jungtiere weisen ein besonders feines und weiches Fell auf. Mohair ist empfindlicher als Kaschmir und sollte nur sehr vorsichtig, wenn überhaupt, in der Waschmaschine gewaschen werden. Dafür ist ein Pullover aus Mohair sehr, sehr warm, gemütlich und strapazierfähig. Der Tragekomfort überwiegt bei dieser Wollsorte also den Pflegeaufwand.

Die Vorteile von Kamelwolle

Wolle von Lamas, Alpakas und Kamelen zeichnet sich dadurch aus, dass sie besonders weich ist und sehr gut warm hält. Das macht Kamelwolle auch für Rheumapatienten zu einer interessanten Alternative zu Angora. Weil diese Tiere hauptsächlich in Gegenden leben, in denen sie hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, etwa den Anden oder der Mongolei, ist ihr Fell besonders temperaturregulierend. Diese Eigenschaft verliert es auch nicht, nachdem es zu Wolle verarbeitet wurde. Auch Kamelwolle besitzt selbstreinigende Eigenschaften, darüber hinaus ist es eine sehr leichte, weiche Faser.

Diese Kamelwollarten gibt es

Unter dem Begriff Kamelwolle können alle Wollarten verstanden werden, die von den kamelartigen Tieren stammen. Also, Lamas, Alpakas oder eben das zweihöckrige Kamel. Bei letzterem spricht man genau genommen von Kamelhaar, mehr als von Kamelwolle. Trotzdem zählt das Kamelhaar zu den Wollfasern. Man nennt es nur anders, weil das Kamel nicht geschoren wird. Dem Tier fällt nach dem saisonalen Fellwechsel das wärmende Unterhaar von alleine aus und kann dann einfach eingesammelt werden.

Wolle von Alpaka und Kamel gilt als wärmer als Schurwolle – was wohl der Herkunft und den daraus resultierenden Witterungsbedingungen geschuldet sein dürfte. Ähnlich wie bei Kaschmirziegen. Trotzdem ist diese Wollsorte leichter als Schafswolle, bei höherer Dichte und feinerer Faserstruktur aber wärmer und strapazierfähiger. Auch, wer Wolle aufgrund ihrer kratzigen Haptik bisher abgelehnt hat, findet in Alpakawolle und Kamelhaar eine tolle Alternative zu Schaf- und Ziegenwolle. Wolle von diesen Tieren gilt zudem als unverwüstlich. Dafür muss man beim Kauf allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.

Fotos von www.annabeljames.co.uk

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